Impulsreferat zum Messeauftakt am 29. Januar 2010

Kay Senius - Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit

Chance 2010 – Zukunft in Mitteldeutschland

Impulsreferat zum  Messeauftakt am 29. Januar 2010

Kay Senius
Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit

Kurz- und mittelfristige Herausforderungen am Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Damen und Herren,

 

„Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen!“

 

Wer diesen Aphorismus in die Welt gesetzt hat, darüber wird gestritten. War es Karl Valentin, Mark Twain oder gar Winston Churchill. Unstrittig ist allerdings, dass dieser Satz auch heute noch Gültigkeit besitzt.

 

Denn wer hätte vor zwei Jahren noch eine Schrumpfung des Wachstums nicht als Unkenruf abgetan, wäre gar als Spielverderber hingestellt worden.

 

Standen die Zeichen nicht auf Aufschwung? War Deutschland nicht auf einem guten Weg, sich nach als schmerzhaft empfundenen Reformen an die Gegebenheiten einer globalisierten Wirtschaftswelt anzupassen?

 

Als eben diese globalisierte und aller Kontrollen entledigte Wirtschaftswelt alle Prognosen und damit verbundenen Träume von Wachstum, ausgeglichener Beschäftigung und Wohlstand mit aller Wucht hinwegfegte.

 

Die Bankenkrise und die damit verbundene schlimmste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik brachte verloren gegangene Gespenster wieder hervor: Angst vor Abstieg, Angst vor der Zukunft….

 

Und wieder Prognosen: Experten, auch selbsternannte, hatten Konjunktur. Und schnell geisterten wieder bedrohliche Worte durch das Land: Pleitewelle, Rekordarbeitslosigkeit - wie zu Zeiten der Weimarer Republik etc. PP.

 

Ja, das Jahr 2009 war schwierig. Ja, es hat der Wirtschaft einen gewaltigen Dämpfer verpasst.

 

Hurrah, wir leben noch!!! Nein, Deutschland ist nicht am Ende. Im Gegenteil: vielleicht haben wir das Schlimmste überstanden. Es gibt Indikatoren, die diese Richtung zeigen. Aber ich will mich an dieser Stelle hüten, mich hier ebenfalls mit einer Prognose zu versuchen…, denn wir sehen, wohin das führen kann….

Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast, soll ebene jener Winston Churchill geäußert habe (in welcher Runde ist unbekannt), dem auch das eingangs erwähnte Bonmot über die Prognosen zugeschrieben wird.

 

Ich traue den Arbeitsmarktstatistiken, denn sie stammen aus meinem Haus ….

 

Zur aktuellen Situation in Deutschland

 

Der deutsche Arbeitsmarkt ist – trotz seiner starken Exportabhängigkeit – noch mal glimpflich davon gekommen, die Krise ist weniger spürbar als in anderen Ländern.

 

Weder bei der Arbeitslosigkeit noch bei der Beschäftigung sind bislang deutliche Verschlechterungen eingetreten.

 

Ein Grund dafür ist, dass der  Dienstleistungssektor wächst, aber auch die Betriebe lösen Auslastungsprobleme zunächst durch interne Maßnahmen.

 

Mit Entlassung gehen Unternehmen – zumindest vorübergehend – zurückhaltend um. Die Kurzarbeit lässt immerhin die Option offen, zukünftig dringend benötigte Fachkräfte im Unternehmen zu halten.

 

Aber auch ein flexibeler Umgang mit der betrieblichen Arbeitszeit schafft Möglichkeiten, Personal in den Unternehmen zu halten.

 

Das wird aber auch nicht die Dauerlösung sein:

 

Was der deutsche Arbeitsmarkt braucht, ist in jedem Falle eine Belebung des Absatzes und damit eine gute Perspektive für die Unternehmensauslastung.

 

Der monatlich erhobene ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Januar um mehr als einen Punkt auf 95,8 Punkte und damit stärker als von Volkswirten erwartet.

 

Das spricht für Stabilisierung der Wirtschaft. Eine sehr negative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist damit weniger wahrscheinlich.

 

Was heißt das für Sachsen-Anhalt?

 

Alle Institute gehen von steigender Arbeitslosigkeit und sinkender sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung aus. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung prognostiziert für Sachsen-Anhalt einen mehr als moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt von ca. 10.000 Personen (170.700 – 2009 auf 180.300 - 2010), denn die rückläufige Produktivität muss erst wieder aufgefangen werden.

 

Gleichzeitig geht das Institut von einer hohen Marktdynamik aus, dass heißt, wir werden einen Anstieg der Zu- und Abgänge in Erwerbstätigkeit haben, gegenwärtig sind das täglich etwa je 700.

 

Mitentscheidend für das Ausmaß der Krise bleiben die Entlastungswirkung der Kurzarbeit und der Arbeitsmarktförderung.

 

Wir dürfen also nicht übermütig werden; auch wenn Deutschland und Sachsen-Anhalt in der Krise mit einem „blauen Auge“ davon gekommen sind.

 

Strukturelle Probleme sind da und noch nicht gelöst:

 

Eine hohe Langzeitarbeitslosigkeit – immerhin noch ein knappes Drittel aller Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt - und damit zusammenhängend das Problem nicht ausreichender oder nicht mehr verwertbaren beruflicher Qualifikation. Gerade dies verhindert eine stabile Arbeitsmarktintegration von Geringqualifizierten.

 

Wir erleben einen Wandel auf dem Arbeitsmarkt, er spaltet sich:

 

Normalarbeitsverhältnisse nehmen ab (nur noch 60%), flexiblere Formen mit teilweise geringen Aufstiegschancen wachsen auf.

 

Insgesamt ist eine deutliche Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen, Minijobs und Teilzeitbeschäftigungen in Sachsen-Anhalt spürbar.

 

Jugendliche haben zunehmend Schwierigkeiten, am Beginn des Erwerbslebens Fuß zu fassen. In Ostdeutschland werden Ausbildungsabsolventen nur zu 51 Prozent durch ihren Ausbildungsbetrieben übernommen.

 

Sorgen macht mir auch die nach wie vor hohe Abbrecherquote der Auszubildenden. Ein Viertel aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sind 2008 vorzeitig gelöst worden - das ist eine Menge.

 

Besonders betroffen waren Handel, Logistikbranche sowie Hotel- und Gastgewerbe.

 

Jetzt werden Sie sich fragen, Ausbildungsabbrüche im Handel, in der Logistikbranche und auch im Hotel- und Gaststättengewerbe – das sind doch ganz solide Berufe?

 

Wenn Sie unsere Jugendlichen fragen, erhalten Sie als Antwort:  „Meine Berufsvorstellungen haben sich nicht erfüllt.“

 

Deshalb ist es gut, dass solche Messen initiiert werden, die jungen Leuten Einblicke in die verschiedensten Berufe ermöglichen und damit Chancen bieten, sich für den richtigen Ausbildungsberuf zu entscheiden.

 

In den neuen Bundesländern werden diese Strukturprobleme des Arbeitsmarktes durch den rasanten demografischen Wandel noch verschärft.

 

Demografie ist eine zentrale Determinante der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung.

 

„Nur Einfaltspinsel können die Zukunft rosig malen“

 

Fakt ist:

 

Deutschland wird zur Republik der Rentner.

 

Der Bevölkerungsschwund in Ostdeutschland nimmt dramatische Formen an.

 

Im Jahr 2060 wird jeder dritte Deutsche 65 Jahre oder älter sein. - 2060, das ist noch lange hin, wird jetzt mancher denken, aber wir müssen jetzt genau hinschauen, jetzt reagieren, um diese Entwicklung aufzuhalten, in andere Bahnen zu lenken.

          

Wie wird die demografische Entwicklung in Sachsen-Anhalt verlaufen?

 

Der Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird sich kontinuierlich fortsetzen.

 

2016 werden in Sachsen-Anhalt voraussichtlich acht Prozent weniger Personen leben, bis 2025 wird sich der Rückgang auf 25 Prozent erhöhen.

 

Davon sind alle Regionen betroffen, ländliche stärker, Ballungszentren nicht so stark.

 

Beispielsweise Anhalt-Bitterfeld: hier wird sich die Bevölkerung von 2005 bis 2025 um      rund 30 % reduzieren, der Anteil der über 65 Jährigen wird um rund elf Prozent steigen.

 

Diese demografischen Veränderungen wirken sich natürlich auch auf das Erwerbspersonenpotential aus.

 

Die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt ist 2009 gesunken auf 1.009 Millionen, 5.200 Personen oder 0,5 Prozent weniger als 2008[1]. Nahezu alle Wirtschaftsbereiche waren von dem Rückgang betroffen, insbesondere die Zeitarbeitsbranche. Positive Entwicklungen gab es nur in der Land- und Forstwirtschaft, in der Fischerei (plus 1,6 Prozent) und im Baugewerbe (plus 1,0 Prozent) sowie im Gesundheit- und Sozialwesen.

 

Parallel dazu wird sich die Zahl der Schulabgänger Sachsen-Anhalts im Jahr 2015 gegenüber 2007 mehr als halbiert haben. D. h, der Fachkräftenachwuchs schrumpft spürbar.

 

Soweit zum Problemaufriss.

 

Die Aussichten sind mit Nichten rosig, wir haben aber keine Zeit Pessimisten zu sein.

 

Die Trägheit demografischer Prozesse hat zwar den Vorteil, dass sie lange vorhersehbar sind, der Nachteil ist jedoch, dass sie auch nur langfristig steuerbar sind.

 

Genau in dieser Dringlichkeit liegt eine große Herausforderung und deshalb ist es wichtig, dass es Messen wie diese gibt, die den jungen Leuten, aber auch Berufstätigen hilft, sich umfassend über die Möglichkeiten und Trends auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt zu informieren.

 

Man kann den demografischen Wandel und den damit einhergehenden Fachkräftemangel gestalten, und wir, Unternehmer, Arbeitnehmer und die öffentliche Hand, müssen gemeinsam mit den Veränderungsprozessen unverzüglich beginnen. Denn die demografischen Veränderungen gewinnen immer mehr an Fahrt. Wenn wir die Weichen jetzt nicht richtig stellen, droht ein gefährlicher Fachkräfte-Crash.

 

Schauen wir kurz einige Jahre zurück:

 

Arbeitsmarkt und Beschäftigung waren seit Mitte der 90er Jahre bis Anfang der Jahrtausendwende durch einen starken Nachwuchsüberhang charakterisiert.

 

Auf rund 11.000 Ausbildungsstellen kamen ca. 34.000 junge Bewerber.

 

Es bestand ein massives Ungleichgewicht zu Lasten der Arbeitnehmer, insbesondere zu Lasten der Schulabgänger.

 

Aktuell herrscht zwischen den gemeldeten Ausbildungsstellen und den Bewerbern ein ausgeglichenes Verhältnis – auf 5.200 Ausbildungsstellen kommen rund 5.200 Bewerber (Dezember 2009).

 

Diese Ausgeglichenheit wird aber nicht von Dauer sein.

 

Schon jetzt vollzieht sich ein schneller Umschwung. Der noch vor einigen Jahren vorherrschende starke Zustrom von Nachwuchskräften wird rasch versiegen.

 

Hatten wir zwischen 1995 und 2005 durchschnittlich 34.800 Schulabgänger pro Jahr, so werden es 2010 nur noch rund 16.500 sein. [2]

 

Gleichzeitig steigt die Zahl der Altersrentner.

 

Das Verhältnis zwischen Schulabgängern und Rentnern kippt.

 

Durch wachsende Abgänge in Altersrente wird künftig der Bedarf an Nachwuchskräften steigen. In wenigen Jahren gehen deutlich mehr Erwerbspersonen in Rente als Schulabgänger verfügbar sind.

 

Nach Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wird von 2005 bis 2025 der Ruf nach Fachkräften im Dienstleistungssektor um sieben Prozent steigen. Insbesondere betrifft das Gesundheits- und Sozialberufe, Sicherheitsberufe, Reinigungs- und Entsorgungsberufe sowie Berufe im Gastgewerbe.

 

Daneben haben wir auch Berufsfelder, in denen über den prognostizierten Bedarf hinaus ausgebildet wird, z. B. in Bau- und baunahen Berufen sowie Körperpflegeberufen.

 

Sie sehen, meine Damen und Herren, Friseurbesuch und Hausbau sind gesichert, aber mit der medizinischen Versorgung kann es künftig eng werden.

 

Die Fachkräftesicherung wird uns also künftig Kopfzerbrechen bereiten, wenn wir Akteure am Arbeitsmarkt nicht sofort gemeinsam nach Lösungswegen suchen.

 

Was müssen Unternehmen tun?

  • Neuorientierung/ Umorientierung in der Personalpolitik,
  • Strategische Personalentwicklung statt nur routinemäßiger Personalverwaltung,
  • Vorausschauendes Herangehen an aktuelle und künftige Anforderungen der Arbeitsorganisation,
  • Stellenwert und Engagement für Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter müssen steigen,
  • auch Geringqualifizierte brauchen eine Chance,
  • frühzeitige Kontakte zwischen Schule und Wirtschaft herstellen,
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie befördern,
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement einführen bzw. ausbauen,
  • Unternehmensstrategie im Umgang mit älteren Mitarbeitern entwickeln.

 

Für die Wertschöpfungsprozesse der Zukunft werden ausreichend qualifizierte, engagierte und motivierte Mitarbeiter gebraucht, dies gilt es zu fördern.

 

Gefordert ist also eine innovative und vorausschauende Personalpolitik, die die notwendige demografische Dynamik im Unternehmen entfaltet und gestaltet.

 

Ich weiß, dass auch die Kammern, dass so sehen und Unterstützung anbieten.

 

Zu einer zukunftsfähigen Personalentwicklungspolitik gehört auch eine Überprüfung der Lohnpolitik.

 

Klar ist, nur das kann gezahlt werden, was im Unternehmen auch erwirtschaftet wird.

 

Klar ist aber auch, dass gute Arbeit ihren Preis hat. Wer morgen Fachkräfte haben will, muss sich auch dem Wettbewerb um die klugen Köpfe und geschickten Händestellen und attraktive Arbeitsbedingungen bieten.

 

Was müssen Arbeitnehmer tun?

 

Jeder Arbeitnehmer; jeder Schulabgänger ist erstmal für sich selbst verantwortlich, jeder muss und kann seine Zukunft auch selbst gestalten.

 

Der Bildungsmarkt bietet vielfältige Möglichkeiten, sich durch aktives und eigenverantwortliches Handeln gezielt Wissen und Bildung anzueignen und auch für den beruflichen Erfolg zu nutzen.

 

Welche Möglichkeiten habe ich heute noch auf dem Arbeitsmarkt? Welche Ausbildung passt zu mir? Welche Unterstützung bekomme ich als Existenzgründer? Zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen, die sich wohl viele Jugendliche und Berufstätige stellen, sind Lösungsimpulse z. B. auch auf der "Chance 2010" zu finden.

 

 Schlüsselansätze für den Einzelnen sind:

  • sich über seine Kompetenzen und Potentiale klar werden
  • vielseitig handeln,
  • alle Alternativen prüfen,
  • flexibel sein,
  • alle Angebote der Unternehmen und öffentlichen Hand nutzen.

 

Jeder muss sich darüber im Klaren sein, ohne lebenslanges Lernen funktioniert nichts.

 

Was tut die Bundesagentur für Arbeit?

 

Wir können Ihnen Ihre Entscheidungen nicht abnehmen.

 

Unsere Aufgabe ist es, unterstützend zu wirken, um Menschen und Arbeit oder Menschen und Ausbildung zusammenzubringen.

 

Dafür bieten wir u. a. folgende Dienstleistungen:

  • Förderung von Eigeninitiative und Eigenverantwortung z. B. durch Potentialanalyse, professionelle Beratung sowie verbindliche Eingliederungsvereinbarungen nach § 37 SGB III;
  • Verbesserung der individuellen Beschäftigungschancen z. B. durch die Förderung der beruflichen Weiterbildung arbeitsloser und beschäftigter Menschen (WeGebAU), Förderung der Berufsausbildung, Förderung der beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderungen, Förderung der Existenzgründung;
  • intensive Kontakte zu den Unternehmen der Region, kompetente Beratung zu Fragen der Personalentwicklung, -rekrutierung und -qualifizierung, Kurzarbeit sowie Qualifizierung in Zeiten der Kurzarbeit, passgenaue Vermittlungsvorschläge für die zu besetzenden Stellen und schnelle Klärung weiterer Anliegen der Arbeitgeber; nach dem Motto „Unser Service hat ein Gesicht“ erhält jeder Arbeitgeber seinen persönlichen Ansprechpartner;
  • Lösungsmöglichkeiten für den Mismach zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen Bewerberqualifikationen und Unternehmensanforderungen;
  • die JOBBÖRSE unter www.arbeitsagentur.de, das größte Online-Stellen- und Bewerberportal in Deutschland mit rund 550.000 Stellen und mehr als drei Millionen Bewerberprofilen;
  • das Berufsinformationszenturm (BiZ) mit integriertem Internet-Center in jeder Agentur für Arbeit;
  • Service-Rufnummer für Arbeit- und Ausbildungssuchende sowie leistungsrechtliche Fragen: 01801 555 111 (Festnetzpreis 3,9 Cent/Minute; Mobilfunkpreise abweichend. Ab 01.03.2010 gilt: Mobilfunkpreise höchstens 42 Cent/Minute). 

 

Fazit

 

Bei wirtschaftlicher Erholung ist zunächst eine Phase „jobless growth“ (Wirtschaftswachstum ohne wachsende Beschäftigung) wahrscheinlich – für uns heißt das, wir rechnen zwar nicht mit spektakulären Entlassungen aber auch nicht mit einem Einstellungswunder.

 

Die Betriebe werden zunächst Puffer abbauen, mit denen sie ihren Mitarbeiterstamm gehalten haben. Also wird Kurzarbeit zurückgefahren, Arbeitszeitkonten werden aufgefüllt. Der Beschäftigungsabbau könnte drei bis vier Prozent betragen.

 

Die Bundesagentur für Arbeit wird sich aber gegen eine solche Entwicklung mit aller Kraft stemmen.

 

Mehr als bisher soll bereits durch Beratung und Vermittlung in der Kündigungsphase Arbeitslosigkeit möglichst verhindert werden.

 

Zudem wird die Weiterbildung gering qualifizierter Arbeitnehmer weiter forciert.

 

Auch sollen Jugendliche mit Bildungsdefiziten verstärkt für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden.

 

Und auch 2010 wird Beschäftigung durch Kurzarbeit gesichert.

 

Deshalb sind Einheitslösungen kaum möglich.

 

Der Arbeitsmarkt hat regionalspezifische Stärken und Schwächen, wir brauchen deshalb lokalspezifische Lösungen.

 

So stellt sich z. B. die Arbeitsmarktsituation für Chemiearbeiter in Halle, Merseburg und Sangerhausen unterschiedliche dar. Sie ist abhängig von der regionalen Beschäftigungsdynamik, der Altersstruktur, dem erforderlichen Ersatzbedarf für dies Fachkräfte in der jeweiligen Region.

 

Was ist jetzt bei der ganzen Komplexität den Einzelnen zu raten:

 

Die berufliche Flexibilität fördern, dazu zählt gute Qualifikation, denn höher Qualifizierte sind in einem weiteren Spektrum von Tätigkeiten einsetzbar; sie verfügen über das Vermögen, sich rasch in neue Tätigkeiten einzuarbeiten.

 

Die Erstausbildung ist wichtig; eine starke Fixierung auf sehr begrenzte Tätigkeiten muss vermieden werden; gute Berufsorientierung ist hier Voraussetzung.

 

Eine berufliche Weiterbildung auf allen Ebenen (Beschäftigter; Erwerbsloser) ist erforderlich; dies verlangt Flexibilität beim Arbeitnehmer, und vor dem Hintergrund knapper werdender Haushaltsmittel auch eine stärkere Verantwortung der Unternehmen für diesen Prozess.

 

In Ost-Deutschland gibt es aber auch spezielle Chancen:

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist hier stärker entwickelt.

 

Ein großes Potenzial liegt bei den Auspendlern. Derzeit  beträgt ihre Zahl in Sachsen-Anhalt 139.000. Bei günstiger Wirtschaftsentwicklung und entsprechenden Lohnangeboten bilden die Pendler eine Fachkräftereserve.

 

Ein weiteres Potenzial liegt bei den Studienabbrechern. Rund ein Fünftel aller Studenten geben das Studium ohne Examen auf. Besonders hohe Quoten - etwa ein Drittel – gibt es in einigen ingenieurwissenschaftlichen (Maschinenbau, Elektrotechnik) und in naturwissenschaftlichen (Physik, Mathematik, Informatik) Studiengängen.

Angesichts des hohen Fachkräftebedarfs gerade auf diesen gebieten, besteht hier Handlungsbedarf.

 

Schlussbemerkungen

 

Jeder Einzelne ist gefragt, jeder muss flexibel genug sein und sich engagiert einbringen, um erfolgreich zu sein. Jeden Tag werden in Sachsen-Anhalt 800 Beschäftigungen gelöst und begründet, Stellen vermittelt, morgen könnten es mehr sein.

 

Chancen definieren sich als Möglichkeiten, Aussichten, Potential. Eine Chance ergreifen heißt aber auch Weichen stellen. Das müssen Unternehmer, Arbeitnehmer, Netzwerkpartner und die öffentliche Hand gemeinsam tun – für Zukunftschancen in Sachsen-Anhalt.

 

Zukunft wird jetzt gemacht – Engagieren Sie sich!

[1] Statistische Landesamt Halle am 21.01.2010

[2] Prognose der Kultusministerkonferenz 2007